Wer bin ich ohne meinen Job und muss ich meine Berufung finden?

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Im Rahmen meines Selbstfindungs-Projekts: “Beruf/Berufung” habe ich meinen gut bezahlten Job aufgegeben, um mir eine Auszeit zu nehmen. Um endlich herauszufinden, was meine Berufung ist oder anders ausgedrückt: um einen Beruf zu finden, der mir Spaß macht und für den ich morgens gerne aufstehe.

Es ist komisch. Nach über einem Jahr habe ich diesen immer noch nicht gefunden. Trotz all dem was ich weiß und all der unzähligen Fragen, die ich mir dazu schon gestellt habe, weiß ich noch nicht, was ich arbeiten will oder wie ich meine Berufung finden kann.

Ich habe eine Vorstellung darüber WIE ich arbeiten möchte, also über die Rahmenbedingungen, und wie es sich anfühlen soll, aber noch nicht welcher Job dazu passt.

Heute kam eine neue Frage dazu:

Wer bin ich eigentlich ohne meinen Job?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Natürlich bin ich immer noch Freundin, Schwester, Tänzerin, hoffentlich bald Hundebesitzerin, Bloggerin auf der Suche etc. Aber ich stelle fest, es fehlt ein ganz großes Stück an Identität, wenn ich keine Berufsbezeichnung für mich habe.

Ist Dir schon mal aufgefallen, dass die Frage nach dem Beruf, eine der TOP 3 Fragen ist, wenn Du jemand Neues kennenlernst? Wir definieren uns in unserer Gesellschaft wahnsinnig stark über den Beruf.

Das war und ist bei mir nicht anders. Ich war früher stolz mich als „Senior Consultant“ betiteln zu dürfen und gutes Geld damit zu verdienen. Dabei ist die Bezeichnung so nichtssagend. Aber ich habe darauf lange hingearbeitet.

Die Identität ist mit dem Jobtitel verknüpft

Und damit bin ich nicht alleine. Ich kenne genügend Leute, die Jobs und Beförderungen angenommen haben, weil sie zu dem Prestige der Stelle oder dem Titel nicht nein sagen konnten. Obwohl sie der Job oder die Firma schon nicht mehr glücklich machte, konnten sie nicht widerstehen, ihre Identität damit aufzuwerten.

Im Moment ist es mir noch total unangenehm, wenn mich jemand nach meinem Job fragt. Denn was mach ich denn nun eigentlich? Bin ich arbeitssuchend? Gute-Nachrichten-Botschafterin mit den OptimisNews? Bloggerin? Trainerin? Existenzgründerin oder neudeutsch Entrepreneur? Bald wieder Senior Consultant?

Irgendwie bin ich alles davon und ich hätte gerne auch alle Elemente in meinem zukünftigen beruflichen Schaffen.

Die Eigenschaften prägen die Identität

Denn auch ohne fancy Jobtitel bin ich eine Macherin, bin an richtig vielen Dingen interessiert, kann gut mit Leuten umgehen, bin freundlich, probiere was funktioniert, kann mich in Themen reinfuchsen und bin Gestalterin meines zukünftigen Jobs und meines Lebens.

Und sind wie hiermit nicht wieder bei den Eigenschaften eines Menschen, die wirklich zählen, anstelle eines nichtsagenden Titels? Sollten wir anstatt nach der Berufsbezeichnung zu fragen einfach mal nachhaken, welche Persönlichkeitsmerkmale unser Gegenüber bei dem Job so einsetzt?

Anstelle von: Ah, Du bist Hausmeister an einer Schule. Da hast Du es aber nicht sonderlich weit gebracht! Lieber ein: Aha, Du bist Hausmeister an einer Schule. Dann bist Du bestimmt handwerklich begabt und Dir liegt das Wohl von Kindern am Herzen?

Wenn es zutrifft: herzlichen Glückwunsch – so geht übrigens Berufung!

Ist die Berufung finden nur eine andere Form von Suche nach Anerkennung und Würdigung?

Passend dazu habe ich neulich auf den letzten Seiten des Buches von Safi Nidiaye „Den Weg des Herzens gehen“ gelesen:

„Viele der Menschen … fragten mich …, wie sie ihre Lebensaufgabe finden könnten. Oft waren sie mit ihrem Job unzufrieden und sehnten sich nach einer Tätigkeit, die mehr ihrer Vorstellung von einer „Aufgabe“ entsprach als die, womit sie ihr Geld verdienten.

Sie hatten jedoch keine Vorstellung, worin diese Aufgabe bestehen könnte.

Oftmals steckte hinter dieser Suche weniger die Sehnsucht, einem Ideal, der Menschheit oder einem bestimmten Streben ihrer Seele zu dienen, sondern ein Bedürfnis ihres inneren Kindes, durch eine besondere Aufgabe als wichtiger und besonderer Mensch gewürdigt zu werden.“

Vielleicht gibt es nichts zu finden

Und weiter: „In Ihrer Suche nach dem, was Ihre Lebensaufgabe sein könnte, wird Ihr höheres Selbst Sie nur dann unterstützen, wenn es jenseits dessen, was Sie ohnehin tun, eine solche Aufgabe für Sie gibt und Sie diese nicht erkennen.

In allen anderen Fällen wird Ihr höheres Selbst auf die Frage, welches Ihre Lebensaufgabe sei, vermutlich nur sagen: Lebe!“

Autsch! Das lohnt sich doch mal zu reflektieren. Da könnte was Wahres dran sein. „Genieße Dein Leben“ ist genau die Antwort, die ich immer bekomme. Und zusätzlich ein „sei ein Vorbild“. Aber ansonsten keine weiteren Offenbarungen.

Vielleicht ist das mit der Berufung im Sinne einer klaren Aufgabe und Jobbeschreibung einfach nicht für jedermann gedacht? Vielleicht ist der Job, den wir machen bereits genau richtig für uns und wir wissen es nur nicht, weil wir glauben das Gras ist woanders grüner? Vielleicht sollten wir einfach das Beste aus unseren Jobs machen, uns entspannen und unser Leben genießen?

Übrigens habe ich inzwischen eine Antwort darauf gefunden, was ich beruflich mache, die sich gut für mich anfühlt: in Profession 1 bin ich Senior Consultant. Ich habe es lange nicht geglaubt, aber hier sind ganz viele meiner teils echt konservativen Werte vereint. Das möchte ich nicht missen. Und in Profession 2 bin ich Bloggerin und Trainerin und kann meine Hippie-Dippie-Anwandlungen und meine Kreativität ausleben. Das empfinde ich als eine gute Kombi.

 

Wo stehst Du mit Deiner Berufung? Hast Du sie gefunden? Was ist Deine Identität? Kennst Du Deine Lebensaufgabe? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar. 

 

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